„ Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) – Bischöflicher Aufruf zur Europawahl

Europawahl_Aufruf_Kirchen_in_Norddeutschland 20190526

 

Liebe Schwestern und Brüder,

herzlich grüßen wir Sie in der Verbundenheit des Glaubens!

Als Christinnen und Christen versuchen wir schon seit vielen Jahrzehnten, den ökumenischen Gedanken der „Einheit in Vielfalt“ in dieser Welt mit Leben zu füllen.

So haben die europäischen Kirchen ein gutes Jahrzehnt nach dem Fall der Berliner Mauer ein starkes Zeichen der Verbundenheit gesetzt. In der Charta Oecumenica bezeugten sie ihren Willen, „mit dem Evangelium für die Würde der menschlichen Person als Gottes Ebenbild einzutreten und als Kirchen gemeinsam dazu beizutragen, Völker und Kulturen zu versöhnen“. Die Bedeutung dieser Aufgabe ist in den letzten Jahren offensichtlich noch erheblich höher anzusetzen.

Der Gedanke der Versöhnung war nach den Schrecken der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lange Zeit eine unbestrittene Stärke der europäischen Idee. Umso mehr beobachten wir den zunehmenden Nationalismus und die Europa-Feindlichkeit populistischer Parteien mit großer Sorge. Die Europäische Union braucht fraglos ebenso konstruktive wie kritische Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Und sie ist darauf angewiesen, dass Menschen die europäische Idee mit Leben füllen, einander begegnen und tragfähige Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit suchen.

Als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgerufen, die Politik auch auf der Ebene der Europäischen Union in Achtung vor der Würde eines jeden Menschen mitzugestalten. Wir tun dies im Bewusstsein unserer ökumenischen Verbundenheit mit Christenmenschen jenseits aller politischer Grenzen.lm 34,15)

Wir können dazu beitragen, dass Versöhnung in unserer Zeit möglich wird, indem wir auch den offenen und kritischen Dialog mit denen suchen, die kein Zutrauen in die europäische Idee haben.

Und wir werden die ökumenische Verbundenheit mit unseren Geschwistern in Großbritannien noch verstärkt pflegen, wenn der sich abzeichnende Austritt aus der EU Wirklichkeit werden sollte.

Darum rufen wir gemeinsam dazu auf:

Geben Sie Europa Ihre Stimme! Nutzen Sie am 26. Mai 2019 Ihr Wahlrecht und stärken Sie die demokratischen und auf Verständigung ausgerichteten Kräfte!

Die Charta Oecumenica endet mit dem Hinweis auf den Grund, der uns trägt: „Jesus Christus ist als Herr der einen Kirche unsere größte Hoffnung auf Versöhnung und Frieden. In seinem Namen wollen wir den gemeinsamen Weg in Europa weitergehen. Wir bitten Gott um den Beistand seines Heiligen Geistes.“

Seinen Segen erbitten auch wir.

In Verbundenheit

Martin Haasler, ACK Schleswig-Holstein

Uwe Onnen, ACK Hamburg,

Matthias Tuve, ACK Mecklenburg-Vorpommern

Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern

Horst Eberlein, Weihbischof, Erzbistum Hamburg

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck

Dr. Stefan Heße, Erzbischof, Erzbistum Hamburg

Dr. Heiner Koch, Erzbischof, Erzbistum Berlin

Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche

Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein

Wulf Schünemann, Propst, Ständiger bischöflicher Stellvertreter im Sprengel Mecklenburg und Pommern

am Dienstsitz in Schwerin