Gemeindegeschichte

Kirche und Gemeinde St. Martinus

1947 Der Kirchenvorstand St. Johannis Eppendorf berät über eine neue Predigtstätte in Eppendorf. Die Johanniskirche war zu klein für die große Anzahl von Gottesdienstbesuchern. Die Einwohnerzahl Eppendorfs war wegen der geringen Zerstörung durch Bomben enorm gestiegen und alle Wohnungen wurden mehrfach belegt. Zur Finanzierung wurde ein Antrag auf Unterstützung an das Hilfswerk der Evangelischen Kirche Deutschlands gestellt. Unterstützt wurde der Antrag auf Zuweisung einer Notkirche von der Amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbundes. Die Erwartung des Zentralbüros war allerdings, dass die Kirche noch im Jahre 1949 eingeweiht werden sollte.

1949 Frühsommer die Ausschachtungsarbeiten beginnen.

1949 7. August Grundsteinlegung

Bei dieser Gelegenheit verkündete der Vorsitzende des Kirchenvorstandes Pastor D. Heitmann zum ersten Mal den Namen der neuen Kirche: „St. Martinus-Kirche – Er, der ritterliche Helfer, der das Gewand mit dem notleidenden Bruder geteilt hat, der soll stehen über diesem Gotteshaus. Noch ist die Not riesengroß, noch müssen wir alle kämpfen um das Notwendigste. Und wir müssen fragen: Gehört auch dieses mit zum notwendigsten? – Es ist das das Allernotwendigste! Denn wenn eine neue Welt aufgebaut werden muss wie heute, dann kann sie nur wachsen aus unwandelbarer Wahrheit auf unvergänglichem Grund. Sonst wird es doch vergehen.“

24. August das Richtfest

Professor Bartning, der Planer dieser an vielen Orten errichteten Notkirchen, war an diesem Tag anwesend und bescheinigte dem Architekten Gerhard Langmaack, dass seine Idee der Notkirchen an keiner anderen Stelle so kongenial aufgenommen wurde wie in St. Martinus. Hier sei durch die gemauerte Apsis der Charakter einer Kirche erst vollkommen geworden. Innerhalb der Gemeinde wurde nicht mehr von einer Notkirche gesprochen.

11. Dezember, dritter Advent Schlüsselübergabe und Einweihung der Kirche

1951 Anbau der Sakristei und Aufstockung der Eingangshalle um eine Etage

1954 Anbau des Gemeindehauses mit großem Saal unten und weiteren Räumen in der oberen Etage für Gruppentreffen und für Büros

1955 Aufstockung der Eingangshalle um ein weiteres Geschoss

1956 Februar: drei Bronzeglocken können im Turm aufgehängt werden. 1. April: Die Gemeinde wird selbständig und erhält einen eigenen Kirchenvorstand und eine eigene Verwaltung

1957 Das Pastorat an der Kirche Tarpenbekstraße 29 wird bezugsfertig

1959 Das zweite Pastorat in der Tarpenbekstraße 110 wird errichtet

1960 Zusammen mit St.Peter/Groß Borstel wird das Grundstück in Undeloh erworben

1962 Das Kammerorchester findet sich zusammen

1963 Der Ausbau der Tarpenbekstraße beginnt. Der Posaunenchor wird gegründet

1966 30. April das Kindertagesheim in der „blauen Villa“ in der Tarpenbekstraße 133 wir eingeweiht

1968 Das Freizeitheim in Undeloh wird gebaut

1971 Die neue Orgel der Fa. Jehmlich Orgel-Bau wird eingeweiht

1972 Das neue Gemeindehaus und der Bürotrakt werden gebaut

1974 25-Jährige Kirchweih mit Bischof Wölber

1980 12. Oktober Gründung der „Diakoniestation Eppendorf-Hoheluft“ Leben im Alter

2006 13. November Kooperationsvertrag zur Region Alsterbund

2009 – 2011 Umfangreiche Renovierungsarbeiten und Umbauten, das Kirchenschiff wird unter Denkmalschutz gestellt.

 

Was ist eine Notkirche

St. Martinus ist ein Kirchengebäude aus dem Notkirchenprogramm, das nach der Zerstörung vieler Gotteshäuser im Krieg und der großen Zahl von Flüchtlingen evangelischer Konfession in katholische Gegenden von dem Hilfswerk der evangelischen Kirche Deutschlands HEKD ins Leben gerufen wurde. Barackenbauten schienen keine angemessene Lösung zu sein und so stellten die HEKD mit Hilfe des Lutherischen Weltbundes ein eigenes Konzept auf. Der im Kirchenbau versierte Otto Bartning wurde um einen Notkirchenbauentwurf gebeten, der einerseits den theologischen und ästhetischen Ansprüchen an ein Kirchengebäude genügen, andererseits aber den materiellen und finanziellen Möglichkeiten der damaligen Zeit Rechnung tragen sollte. Seine Notkirchen sollten keine Notlösung sein. Den Eintretenden sollten sie Schutz vor der zerstörten Umwelt bieten und unter dem dunklen Holzdach konnten sie so etwas wie „Nestwärme“ empfinden. Nichts sollte durch die Schlichtheit des Raumes vom Eigentlichen des Gottesdienstes ablenken, die Gemeinde sollte sich auf sich selbst konzentrieren.

In St. Martinus wurde seine Idee eines „Zeltes in der Wüste“, das an die Wüstenwanderungen des Volkes Israel erinnern sollte, in eigener Weise durch den Architekten Gerhard Langmaack, einem Kirchenvorsteher der St. Johanniskirche, in genialer Weise umgesetzt. Wie bei allen Notkirchen musste das Fundament von der Gemeinde ausgehoben und gefertigt werden. Darauf wurden die aus Bohlen zusammengenagelten Binder auf beiden Seiten errichtet, auf jeder Seite sieben für die Anzahl der Schöpfungstage, zweimal sieben Stützbalken finden sich in der runden Apsis, die es in dieser Form nur in St. Martinus gibt. Die ebenfalls serienmäßig hergestellten Dachtafeln sollten zugleich Wetterschutz, Wärmehaltung und innere Akustische Holzdecke sein. Gerhard Langmaack hatte die Idee, für das konstruktiv nicht beanspruchte Mauerwerk nicht wie sonst üblich, Trümmersteine zu verwenden, sondern er entschied sich unter Mitwirkung der Gemeinde, die Mauern aus geschlämmten Kalksandsein zu bauen, der im Vergleich mit anderen höhlenartigen Notkirchen, zu einem nur von schmalen Fensterbändern belichteten helleren Innenraum führte

 

Otto Bartning

Otto Bartning wird am 12. April 1883 in Karlsruhe geboren und studiert dort und in Berlin von 1904 bis 1908 Architektur. Sein Interesse gilt früh dem modernen insbesondere dem protestantischen Kirchenbau, was 1924 zur Verleihung des Theologischen Ehrendoktors an der Albertus-Universität in Königsberg führt. 1948 übernimmt Bartning die Bauabteilung des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen in Deutschland und erarbeitet das System seiner Notkirchen, Gemeindezentren und Diasporakapellen. In den Jahren 1950 bis 1959 ist Bartning Präsident des Bundes Deutscher Architekten, leitet 1951 die Technische Kommission für den Wiederaufbau Helgolands, wird 1952 Ehrendoktor der Technischen Hochschule Aachen, gründet 1953 die „Otto-Bartning-Stiftung“ in Darmstadt, arbeitet als städtebaulicher Berater der Stadt Berlin und Vorsitzender des Leitenden Ausschusses der „INTERBAU“ und schreibt sein Buch „Erde Geliebte“.

Otto Bartning stirbt am 20. Februar 1959 in Darmstadt.