Wochengebet für den 2. Sonntag nach Trinitatis

Fürbittengebet für den Sonntag, 21. Juni 2020

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“  (Matthäus 11,28)

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Barmherziger Gott,
lass diesen Ruf Deines Sohnes,
so klar,
so tröstlich,
in jeden kleinsten Winkel unserer Wirklichkeit dringen
und in die weiteste Ferne reichen.

Lass ihn dorthin dringen,
wo kaum mehr gesprochen wird,
in die Zimmer der Palliativstationen,
in die intensivmedizinischen Behandlungsräume,
in die Pflegeheime,
wo einsam gelitten und gestorben wird,
dorthin,
wo noch immer Besuche verboten sind
und auch Seelsorger*innen fern bleiben sollen.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Lass diesen Ruf dahin dringen,
wohin kein Wort und kein Mitgefühl mehr reichen,
in die Keller, wo gefoltert und missbraucht wird,
in Zellen, Erdlöcher und Käfige,
in die Lager und Umerziehungsanstalten,
wo Menschen vegetieren.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Lass diesen Ruf in die feinen Ritzen und Risse dringen,
wo Selbstüberhöhung,
Rassismus und verhärtete Ideologien
herrschen und doch brüchig werden können,
dahin,
wo Menschen abgeschottet und verhärtet sind.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Lass diesen Ruf dahin dringen,
wo Angst zur Panik wird,
wo Depressionen die Welt zu einem leeren Gerüst
und zu einem hohlen Schauspiel verwandeln,
wo kein Wort mehr einen Sinn hat
und kein Gedanke mehr einen Wert.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Lass diesen Ruf
in die Gewebe der Lügen und Täuschungen dringen,
in die Methoden der Manipulation,
dorthin,
wo sich menschliche Worte verwandeln zu einem Gift,
das blind macht.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Lass diesen Ruf dahin dringen,
wo wir als deine Töchter und Söhne reden müssten
und doch ängstlich schweigen,
wo wir dich bekennen müssten,
und uns doch zurückziehen,
wo wir die Furcht vor der Welt über die Furcht vor dir stellen.

Kommt her zu mir alle,
die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.
Ja, Herr,
wir wollen kommen,
kommen zu dir.

In der Stille bergen wir uns bei dir mit unseren Bitten
und beten, wie du uns gelehrt hast:

(Stille)

Vater unser

Amen.