Geflüchtete in Eppendorf – Offener Brief zum Thema Unterkunft für Geflüchtete an der Osterfeldstraße

Liebe Eppendorferinnen und Eppendorfer,

auch in unserem Stadtteil wird es demnächst Wohnungen für Geflüchtete geben. Auf zwei Grundstücken an der Osterfeldstraße (Nr. 8 und 16) plant der Bezirk Hamburg-Nord eine Anlage mit 480 Wohnungen. Schon Ende 2016 soll der erste Bauabschnitt mit 178 Wohnungen fertig gestellt werden. Hier werden Geflüchtete einziehen, die nach Monaten in einer zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in feste Wohnungen umziehen können. Es handelt sich also um eine Folgeunterkunft.

Zur Zeit gibt es in Eppendorf eine Debatte über das Für und Wider der Baupläne, die sich aus den unterschiedlichsten Motiven speist. Da äußern BürgerInnen Ängste und Bedenken wegen der Größe der Wohnanlage – Stichwort Ghetto –, und es wird gezweifelt, ob unter diesen Voraussetzungen Integration gelingen kann. Da bereitet ein Grundstückseigner aus der unmittelbaren Nachbarschaft eine Klage vor, weil er geschäftliche Nachteile befürchtet, wenn aus einem reinen Gewerbegebiet ein Mischgebiet wird. Da gibt es diejenigen, die gegen den Standort an sich sind, weil sie keine Geflüchteten im Stadtteil wollen und da gibt es andere, die für kleine, dezentrale Unterkünfte sind und die fehlende Infrastruktur an diesem Standort bemängeln.

Welche Kritik ist berechtigt und was davon ist der übliche Reflex eines wohlhabenden Stadt-teils, dessen BewohnerInnen möglichst mit sozialen Problemen nichts zu tun haben wollen?

Die Entscheidung für oder gegen das Bauvorhaben steht in einem größeren Rahmen. Nach wie vor bedarf es einer Kraftanstrengung, um genug Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen. Dabei ist es die vordringlichste Aufgabe, so schnell wie möglich die Erstaufnahmeeinrich-tungen zu entlasten. Solange tausende Menschen in notdürftigen Unterkünften wie Zelten, Baumärkten oder Sporthallen leben, brauchen wir von Integration nicht zu sprechen. Alle Stadtteile Hamburgs sind hier gefordert. Es kann nicht sein, dass die zentralen und reichen Stadtteile keine Verantwortung übernehmen. Dadurch würde eine ohnehin schon ungute Tendenz der Stadtentwicklung der letzten Jahre verstärkt: Die Probleme kulminieren in den Randlagen und die Schere von Arm und Reich geht noch weiter auseinander.

Deshalb ist es gut, wenn auch in Eppendorf Wohnungen für Geflüchtete gebaut werden. Da keine Bauplätze für kleine, dezentrale Einrichtungen im Stadtteil vorhanden sind, ist es richtig und sinnvoll, eine große Wohnanlage zu planen. Die Kritik, hier würden Geflüchtete in ein Gewerbegebiet abgeschoben, teilen wir nicht. Die Grundstücke grenzen unmittelbar an die Eppendorfer Wohnquartiere am Lokstedter Weg, Appener Weg, an der Frickestraße und am Christoph-Probst-Weg. Einkaufsmöglichkeiten liegen in fußläufiger Entfernung und die Metrobuslinie 22 verbindet das neue Wohnquartier direkt mit den Zentren von Eppendorf und Lokstedt. 2

 

Wir, die UnterzeichnerInnen, sind davon überzeugt, dass auch und gerade hier in Eppendorf Geflüchtete gut integriert werden können. Dass das nicht einfach wird, ist uns klar. Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir jedoch, dass es funktionierende Netzwerke im Stadtteil gibt, um konstruktiv zu arbeiten und Probleme zu lösen. Wir kündigen an, dass wir uns mit unserem Wissen und mit unseren Ressourcen in diesen Prozess einbringen werden.

Erstunterzeichner: Klaus Kolb, Maritta Grebe-Senner, Wolfgang Hinsch, Rika Tjakea, Iris Ohde, Verena Ziegler (Kulturhaus Eppendorf), Maria Koser (Stadtteilarchiv Eppendorf), Pastor Ulrich Thomas, Norbert Kurzhals (St. Martinus-Eppendorf), Pastor Veit Buttler (Ev. Gemeinderegion Alsterbund), Heinz und Monika Körschner (Eppendorfer Bürgerverein), Pastor Martin Hoerschelmann (St. Johannis-Eppendorf), Sabine Burke (St. Martinus-Eppendorf und MARTINIerLEBEN), Karin Möller (Schulleiterin, Marie-Beschütz-Schule)

Gabriele Lange, Anton Senner, Sabine Gripp (Leitung KITA Martinistraße), Barbara Forst, Dr. Bernd Kalvelage, Marthe Friedrichs (Wir sind Eppendorf), EH Brouwers, Gisela Kamke, Renate Ahrens, Friederike Schulz, Hans-Peter Grünsch, Kerstin Graupner (Anwohnerin),

Kontakt: Klaus Kolb, Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13a, 20251 Hamburg, klaus.kolb@kulturhaus-eppendorf.de, Tel. 040481548

gefluechtete-in-eppendorf-offener-brief März 2016