Gebäudeprozess – zum Artikel im Hamburger Abendblatt vom 9. November 2016

Liebe Schwestern und Brüder,

Liebe Pastorinnen und Pastoren im Kirchenkreis Hamburg-Ost,

wieder einmal berichtete heute das Hamburger Abendblatt über unseren Gebäudeprozess und hat vieles von dem, was wir dem Abendblatt hierzu zu sagen hatten, in der Berichterstattung nicht aufgenommen. Denn wenn man den Gebäudeprozess des Kirchenkreises Hamburg-Ost charakterisiert, sollte man dessen Zielsetzung nicht unterschlagen. Der Kirchenkreisrat hat den Prozess initiiert mit dem nüchternen Ziel, erkannte Risiken für die Handlungsfähigkeit vieler einzelner Gemein­den und der Kirchenkreis-Solidargemeinschaft abzuwenden. Als verantwortlicher Haushalter reagiert er auf „Zahlen“ und finanzielle Entwicklungen, und zwar mit dem Anliegen, trag­fähige Rahmenbedingun­gen für die gute inhaltliche Arbeit zu ermöglichen, um die es eigentlich geht.

Vielleicht sind Sie heute schon von Gemeindegliedern auf ihre Situation vor Ort angesprochen worden und sind um Auskunft oder die Richtigkeit der im Abendblattartikel genannten Zahlen befragt worden. Ich schreibe Sie heute an, um sie darin zu unterstützen, die aufkommenden Fragen zu beantworten. Denn keineswegs handelt es sich bei dem von der Synode behandeltem Standortnetzplan um ein Geheimpapier. Wir haben ihn dennoch bisher nicht als zusammenhängenden Plan an die Presse herausgegeben, um Sie als Gemeindeleitungen selbst entscheiden zu lassen, wann sie mit ihren Gemeindegliedern das Gespräch darüber eröffnen. Viele haben dies bereits in Gemeindeversammlungen getan, immer in der Kenntnis, dass eine mögliche Aufgabe von Gebäuden für Gemeindeglieder ein schmerzlicher Prozess ist, haben sie doch dort über viele Jahre ihre religiöse Heimat gefunden in Form von Amtshandlungen, Gottesdiensten, Kirchenmusik, Kinderarbeit und anderes mehr.

Ein paar Argumente, die wir kaum in die öffentliche Debatte bekommen, möchte ich Ihnen nochmals zur freien Verfügung mit an die Hand geben. Wie Sie alle wissen, sind die Gemeindegliederzahlen in den letzten 25 Jahren um gut 30% ge­schrumpft. Der Rückgang hat viel mit demographischem Wandel und gesellschaftlichen Ent­wicklungen zu tun. Die jahrzehntelang hochengagierte Gemeindearbeit von Ehren- und Hauptamtlichen und PastorInnen hat ihn nicht aufhalten können.

Analog zum Mitgliederverlust gab es erheblichen Personalabbau: Kirchengemeinderäte haben im Schnitt 30% hauptamtliche Stellen abgebaut, die Synode 26% Pfarrstellen (ge­meindliche und übergemeindliche). Bis 2030, im Zuge der Pensionierung der „Babyboomer“-Jahrgänge, ist weitere Pfarrstellenverknappung zu erwarten; es gibt nicht genug Nachwuchs.

Die Zahl der kirchengemeindlichen Standorte (die ja zwischen 1945 und 1990 erst verdop­pelt wurde), ist dagegen bisher kaum angetastet worden. Diese Unwucht ist ein Problem.

In Hamburg-Ost kommt dazu, dass viele Gemeinden nicht mehr in der Lage sind, die nötige Vorsorge für den Erhalt ihrer Gebäude zu treffen und ausreichend Bauinstand­haltungsmittel einzustellen. Dass eine steigende Zahl von Gemeinden ein strukturelles Haushaltsdefizit hat, ist nicht nur deren begrenztes Problem, sondern wird zum Risiko der Solidargemein­schaft aller Gemeinden: wenn die letzten Gemeinderücklagen verbraucht sind, muss „der Kirchen­kreis“ als Gläubiger in die Verantwortung eintreten.

Deshalb hat der Kirchenkreisrat 2010 einen langen Prozess angeschoben zur Lösungssuche zwischen Gemeinde- und Kirchenkreis-Leiten­den. Im April 2016 formulierte die Synode mit großer Mehrheit das selbstverpflichtende strategische Ziel, dass ein Drittel der Gemeindestandorte binnen einer De­kade auf­gegeben werden sollen, damit zwei Drittel der Gemeindestandorte weiter gut mit Hauptamt­lichen und PastorInnen ausgestattet und baulich unterhalten werden können.

Dazu hat die Synode eine Einstufung der 158 Gemeindestandorte als „aus Gemeinschafts­mitteln förderfähig“ (Kategorie A und B) bzw. „nicht aus Gemeinschaftsmitteln förderfähig“ (Kategorie C) vorgenommen. Die Unterscheidung bezieht sich zunächst auf Antragsfähigkeit im Blick auf Baumittelzuschüsse.

Bei der Kategorisierung wurde in mehreren Beteiligungsschleifen nach sinnvollen Kriterien gesucht: Erreichbarkeit und Erkennbarkeit, stadträumliche Lage, Kirchen- und Stadt-historische Bedeutung architektonische Qualität und vielfältige Nutzbarkeit haben sich durchgesetzt als rele­vante, im Einzelfall auslegungsbedürftige Gesichtspunkte.

Die Qualität der inhaltlichen Arbeit vor Ort wurde nach kontroverser Debatte letztlich nicht als taugliches Kriterium erachtet, denn sie ist – abhängig von Per­sonen, aber auch von Ver­änderungen im Stadtteil – schnellerem Wandel unterworfen als die Eignung von Gebäuden, die ja vielen Generationen als „Gehäuse“ für ihre Arbeit dienen sollen.

Über die Frage der Baumittelzuschüsse hinausgehend ist die Einstufung der Standorte ein Appell der Synode an die Kirchengemeinderäte, zu prüfen, wie sie binnen einer Dekade mit den Menschen, die in ihren Räumen „Heimat, Trost, Gemeinschaft und Angebote“ suchen, umziehen an einen anderen Ort.

Bei allem Respekt für unsere Vorgänger im Amt frage ich mich doch, was diese bewegt, sich gegen Synode und Kirchenkreisrat zu stellen, ganz zu schweigen davon, dass hier zwei Altpröpste, die in ihren Dienstjahren mit solchen Prozessen nicht befasst waren, sich bisher ausschließlich für den Erhalt einer Kirche (in Volksdorf) eingesetzt haben.

Sollten Sie Presseanfragen erhalten, können Sie auch gern auf unsere Pressestelle Herrn Främke und Herrn Koch verweisen.

Mit herzlichen Grüßen

Propst Hans-Jürgen Buhl

Vorsitzender des Kirchenkreisrates

 

 

Der Plan: Für 5000 Gläubige gibt es eine Kirche

Von Axel Ritscher  (Hamburger Abendblatt vom 09. N0vember 2016)

Gut ein Drittel der Standorte im Kirchenkreis Ost soll aufgegeben werden. In den Gemeinden gibt es Widerstand.

Hamburg. Die Kritik am Hamburger Kirchenkreis Ost wächst. Die Führung steuere die Kirche wie ein Wirtschaftsunternehmen und räume dem Geld absoluten Vorrang ein. „Es fehlt am heiligen Geist“, sagen der frühere Ratzeburger Dompropst Hans-Jürgen Müller und der Hamburger Ex-Propst Helmer-Christoph Lehmann, der bis zum Jahr 2000 im Kirchenkreis Ost die Gebäude managte.

Eine bisher den Gemeinderäten und dem Kirchenkreis vorbehaltene Gebäudeliste, die dem Abendblatt vorliegt, unterscheidet „A“-, „B“- und „C“-Standorte. 53 der 148 bewerteten Standorte (gut 35 Prozent) wurden als „nicht förderfähig“ (C) eingestuft, 62 als „auf jeden Fall förderfähig“ (A) und 33 als „förderfähig im Vergleich“ (B). Verschiebungen zwischen den Kategorien C und B könne es noch geben, heißt es in den Erläuterungen zur Liste, aber „alle Änderungen müssen im Rahmen des Rückbauziels von 35 Prozent liegen“. Als Gründe für den rigiden Sparkurs nennt der Kirchenkreis jahrelangen Mitgliederschwund und strukturelle Haushaltsdefizite in den Gemeinden.

Müller und Lehmann fordern breite Debatte

„Nicht förderfähig“ heißt, dass der Kreis für Unterhalt oder Sanierung kein Geld mehr gibt. Zugleich werden die Gemeinden deutlich stärker als früher dazu angehalten, Rücklagen für ihre Gebäude zu bilden. Damit geraten sie vielfach in finanzielle Bedrängnis und müssen Gebäude verkaufen.

In zwei Regionen des Kreises („Mittleres Alstertal“ und „Alsterbund“) stehen laut Liste ausschließlich „C-Kirchen“. In diesen Regionen müssen sich je vier Gemeinden auf jeweils zwei von vier bzw. fünf Standorten verständigen. Im Frühjahr 2017 soll die Synode ihre Vorschläge beraten.

Müller und Lehmann fordern eine breite Debatte über die strategische Ausrichtung des Kirchenkreises und verweisen auf die Rekordeinnahmen an Kirchensteuern. Zwar sehen sie den Mitgliederschwund, die Überalterung und den Gebäudeüberschuss. Aber das rechtfertige keinen flächendeckenden Rückzug. „Wir wollen der nachfolgenden Generation nicht volle Kassen, sondern funktionierende Gemeinden übergeben“, sagen Müller und Lehmann.

„Im Zweifel für die Gemeinden kämpfen“

Die Sammelpunkte der Gläubigen dürften nicht im vorauseilenden Gehorsam gegen das Geld abgebaut und aufgegeben werden. Der Kirchenkreis berufe sich auf eine Prognose, die die Mitgliederzahlen auf 30 Jahre vorausberechne, sagt Müller. „So weit kann keiner planen.“ Die derzeit 67 Millionen Euro Rückstellungen für Gebäude seien viel zu hoch. „Im Zweifel müssen wir für die Gemeinden kämpfen und die Gemeindemitglieder fragen, was ihnen ihre Kirche wert ist und ob sie dafür spenden würden.“

Die Hamburger Gemeinden der Nordkirche sind im größeren Kirchenkreis Ost (442.000 Mitglieder) und im kleineren Kirchenkreis West (235.000 Mitglieder) organisiert. Doch während der Kirchenkreis Ost seine Häuser zur Disposition stellt und Verkäufe von Kirchen beschließt, entwickelt der Kirchenkreis West schwierige Immobilien selbst und nutzt sie allenfalls um – für soziale Zwecke. „Leben unterm Kirchturm“ heißt ihr Konzept. Eine Streichliste für Kirchenstandorte gibt es nicht.

Kirchenkreise Ost hatte Herausgabe der Liste bisher verweigert

„So können wir selbst dann, wenn eine Kirche entwidmet und umgenutzt wird, noch in den Stadtteil hinein­wirken“, sagt Kirchenkreis-West-Sprecherin Monika Rulfs. Sie verwies auf Wohnprojekte wie das Bugenhagenhaus (Groß Flottbek), die Häuser neben der Christuskirche (Garstedt), das Rumond-Walther-Haus neben der Ottenser Christianskirche und die „Arche Noah“ (Halstenbek).

Die Streichliste des Kirchenkreises Ost geht auf den Synodenbeschluss vom April zurück. Der Kreis hat die Herausgabe der Liste bisher stets verweigert mit der Begründung, den Gemeinden den Zeitpunkt des Einstiegs in die Debatte um die Aufgabe von Standorten überlassen zu wollen.

Die Liste basiert auf einer geografischen Einteilung des Kreises in Regionen. Sie fassen jeweils zwei oder mehr Gemeinden zusammen und bilden die Bemessungsgrundlage für das Hauptkriterium der Standortbewertung: Auf jede Kirche im städtischen Raum sollen 5000 Gemeindemitglieder kommen. Hat eine Region mit drei Kirchen(gemeinden) nur 10.000 Gemeindemitglieder, wäre ein Standort aufzugeben. Für die Auswahl unter den drei Standorten gelten drei Faktoren als leitend: die Lage (Erreichbarkeit mit Bus, Bahn, Auto; Sichtbarkeit im Stadtteil), die Qualität (Nutzbarkeit und Betriebskosten) sowie die Symbolkraft (historische und städtebauliche Bedeutung).

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Geplante Schließung: Bleibt die Kirche im Dorf?

Von Edgar S. Hasse             (Leitartikel  Hamburger Abendblatt  9. November 2016)

Die geplanten Schließungen bedeuten für Christen auch den Verlust von Heimat

Jeder, der ein Haus besitzt, weiß, welche Verantwortung und finanzielle Last das bedeuten kann. Bei der evangelischen Kirche in Hamburg ist der Immobilienbesitz sogar zur schweren Bürde geworden. Die Streichliste der Standorte, die dem Abendblatt vorliegt, offenbart vor allem eines: den Rückzug einer Institution, die noch immer Volkskirche sein will, es aber de facto nicht mehr ist.

„Die Kirche bleibt im Dorf“ ist zwar ein gern zitiertes, geflügeltes Wort. Künftig aber müssen sich Christen wie Konfessionslose in Hamburgs Osten darauf einstellen, dass längst nicht mehr Kirche drin ist, wo früher einmal Kirche draufstand. Vielleicht wird aus den Gebäuden ein Kulturzen­trum oder eine Wohnanlage für Jung und Alt. Aber evangelische Gottesdienste, Taufen und Trauungen dürfte es in den bisherigen Sakralräumen nicht mehr geben. Auch wird der erneute Verkauf einer Kirche an eine muslimische Gemeinde nach dem umstrittenen Immobiliendeal mit der Horner Kapernaumkirche – auf dem früheren Kirchturm steht jetzt ein Halbmond – gänzlich ausgeschlossen.

Dass diese Entwicklung im Kirchenkreis Ost, dem größten in ganz Deutschland, so drastisch ausfällt, hat mehrere Gründe. Anders als im Westen Hamburgs wurden im Osten der Stadt in der Nachkriegszeit zahlreiche Kirchen neu gebaut. Während sie damals tatsächlich gebraucht wurden, empfinden die Ortsgemeinden sie heute häufig als finanzielle Last. Doch der sogenannte Gebäudeprozess ist keine Sache allein der Gemeinden vor Ort, sondern der Entscheider in den Kirchenkreisen. In diesen Gremien liegen wohl etliche Fehlentscheidungen vor, sonst hätten sich frühere Pröpste jetzt nicht mit veritabler Kritik am „absoluten Vorrang“ des Geldes zu Wort gemeldet.

Wenn in einer religiösen Institution, deren Proprium das Evangelium Jesu Christi ist, das Gesetz des Geldes die Oberhand gewinnt, werden die Kirchengemeinden vor Ort gespalten: In jene, die Filetgrundstücke, beste Lagen und Leuchtturmprojekte haben – wie zum Beispiel die Hauptkirchen –, und in jene, die wegen baufälliger, nicht denkmalgeschützter Gebäude und nur drei Gottesdienstbesuchern die großen Verlierer auf der Streichliste sind.

Wenn eine solche Nachkriegskirche auf dem Altar des Gebäudeprozesses geopfert wird, geht den Menschen im Stadtteil ein Stück Heimat verloren. Ein Kirchengebäude, das geschlossen wird, strahlt nicht mehr. Es rufen auch keine Glocken mehr zum Gebet, die jeder morgens beim Frühstück hören kann. Und es müssen immer weitere Wege zum nächsten Gottesdienst im Stadtviertel zurückgelegt werden.

Die Kirchenschließungen werden das öffentliche Bild der Stadt nachhaltig verändern. Die Pläne des Kirchenkreises Hamburg-Ost sind ein sichtbares Zeichen der Säkularisierung (Entkirchlichung), die das Christentum insbesondere in den deutschen Metropolen erfasst hat. Während die muslimischen Gemeinden derweil räumlich wachsen, schrumpft die Zahl christlicher Gebäude. Im Fall der Kirchenschließung entkirchlicht sich die Kirche selbst.

Wer diese Entwicklung kritisiert, sollte alternative Lösungen parat haben. Es gibt zum Glück – wie in der Ahrensburger Johannesgemeinde – etliche ermutigende Beispiele dafür, wie sich Menschen an der Basis für die Rettung ihres Gotteshauses einsetzen. Solche Fördervereine könnten auch jene Sakralbauten vor dem Aus retten, die auf der Streichliste stehen.

 

Geheime Liste: 39 Hamburger Kirchen vor der Schließung

Von Axel Ritscher (Hamburger Abendblatt vom 9. November 2016)

Der Kirchenkreis Ost reagiert auf den Mitgliederschwund. Altpröpste warnen: Gemeinden werden zerstört.

Hamburg.  Der evangelische Kirchenkreis Ost will 35 Prozent seiner Kirchenstandorte aufgeben. Die Gründe sind der Mitgliederschwund, strukturelle Haushaltsdefizite in den Gemeinden und eine zu optimistische Neubaupolitik vor allem in den 1970er-Jahren. Unter der Hand kursiert eine Gebäudeliste, die dem Abendblatt vorliegt. Sie enthält die Gebäudebewertungen für 148 der insgesamt 158 Standorte des Kreises. Die 53 „C“-Standorte (35,6 Prozent) – darunter 39 Kirchen auf Hamburger Stadtgebiet – sollen perspektivisch aufgegeben werden. Eine Karte heute im Abendblatt zeigt die betroffenen Standorte.

Der Prozess der „Gebäudereduktion“ sei auf zehn Jahre angelegt, erklärte der Sprecher des Kirchenkreises Ost, Wolfgang Främke, und sprach von einer verantwortungsvollen Haushaltspolitik. Aber die Kritik am „großräumigen Rückzug aus der Fläche“ wächst.

Die Altpröpste Hans-Jürgen Müller und Helmer-Christoph Lehmann warfen der Führung im Kirchenkreis vor, ohne Not ganze Regionen aufzugeben und die Gemeinden zu zerstören. Um derart schwerwiegende Einschnitte vorzunehmen, reiche es nicht, Prognosen über Steuereinnahmen und Mitgliederentwicklung zu bringen, sagte Lehmann. Erst wenn die Gemeinden ihre Versammlungsorte auch mit Spenden nicht halten können, dürften sie zur Disposition gestellt werden. Die Kirchensteuereinnahmen werden 2016 zum zweiten Mal in Folge Rekordhöhe erreichen.

Die evangelischen Gemeinden Hamburgs sind in den beiden Kirchenkreisen Ost und West organisiert. Doch eine Streichliste gibt es nur im Kirchenkreis Ost. Der Kirchenkreis West will dagegen seine Immobilien auch dann halten, wenn die Entwicklung der Mitgliederzahlen die Aufgabe eines Standortes nahelegt. Der Kirchenkreis hat dafür zwei Immobiliengesellschaften gegründet, die das Konzept „Leben unterm Kirchturm“ voranbringen und die Grundstücke entwickeln.

Die katholische Kirche erklärte, auch sie müsse in Hamburg perspektivisch Gebäude aufgeben. Sie will am Sonnabend im Mariendom mit gut 550 Verantwortlichen einen „Prozess der inhaltlichen und wirtschaftlichen Neuorientierung“ einleiten, sagte Erzbistumssprecher Manfred Nielen. Eine Streichliste gebe es derzeit nicht. Man müsse sich aber auf drastisch sinkende Einnahmen einstellen. Aufgrund der Mitgliederentwicklung und der Altersstruktur würden sich die Steuereinnahmen in den nächsten 30 Jahren um 40 Prozent reduzieren.

Dabei verzeichnet die katholische Kirche im Norden derzeit sogar Mitgliederzuwächse: Seit 2010 stieg die Zahl um etwa 2000 auf jetzt gut 182.000 Mitglieder. Die evangelische Nordkirche dagegen schrumpft. 2010 gab es im Kirchenkreis Ost 476.500 Mitglieder, heute noch 433.500.